Das geht doch nicht…

Ich liebe Berichte und Dokumentationen über Menschen, Leistungen, Erfindungen und Verbesserungen, von denen als unumstößliche Meinung feststand: das geht nicht…

Ich war der jüngste Schulsprecher in der Geschichte meiner Schule und habe mich im Alter von 20 Jahren selbstständig gemacht. Seitdem bin ich immer wieder Pionier oder Veränderer in meinen beruflichen Feldern gewesen. Ebenso bei vielen Reisen um die ganze Welt, als Reisen in viele Orte noch wirkliche Abenteuer waren. Zum Beispiel hatte ich 1970 die Idee, mit einem einfachen Volkswagen Kombi eine Reise auf Wüstensand zum Mittelpunkt der Sahara zu machen. „Das geht nicht!“, waren die Reaktionen von Familie, Nachbarn und Freunden. Nach einem Jahr Vorbereitung habe ich diese Reise quer durch Europa und Nordafrika bis zum Mittelpunkt der Sahara durchgeführt, mit einem normalen Volkswagen Kombi. Heute gibt es dieses Abenteuer nicht mehr. Heute führt eine Asphaltstraße quer durch die Wüste und es gibt moderne Hotels.

Johannes Tamme mit dem Kombi unterwegs. Foto: J. Tamme

Johannes Tamme mit dem Kombi unterwegs. Foto: J. Tamme

Der Flop

Dazu passt auch folgende Geschichte: Die Sportwelt bereitet sich auf die Olympischen Spiele 1968 in Mexiko vor. Dazu gehörte auch ein junger Sportler in den USA namens Dick. Er träumte davon, an den Olympischen Spielen in Mexiko im Hochsprung teilzunehmen. Aber Dick kam weder mit der einen noch mit der anderen Hochsprungtechnik zurecht. Mit seinen 193 cm Körpergröße schien er für den Hochsprung wie geschaffen. Aber Scherensprung und Bauchwälzer waren nicht seine Sache. Ein Jahr vor Olympia schaffte er gerade einmal 210 cm. Die Fachleute waren sich einig: „Er ist ein unbedeutender Hochspringer.“

In seinem Garten stand Dick bei seinem Training im Anlauf ein Baum im Weg. Also wurde sein Anlauf zu einem Bogen und er kam auf eine völlig neue Idee: Rumpfdrehung bei den letzten Schritten und Lattenüberquerung rücklings. Ziemlich genau das Gegenteil von dem, was alle anderen machten. Mit diesem Stil wollte er bei der Olympiade in Mexico City antreten. Die Fachwelt schüttelt nur den Kopf: „Das geht nicht…“

Nicht einmal sein eigener Trainer glaubte an ihn und sagte ihm, es wäre besser, wenn er zum Zirkus gehen würde. Doch dann schlug Dicks große Stunde. Alle anderen Olympiateilnehmer im Hochsprung versuchten sich im Scherensprung oder Bauchwälzer. Aber Dick erreichte im Finale die Rekordhöhe von 224 cm. Die Fachwelt stand Kopf. Aus einem Flop wird ein Hit, Dick Fosbury über Nacht berühmt. Heute springen alle Hochspringer nur noch in seiner Technik. Aus dem scheinbaren Spinner wird der Olympiasieger Dick Fosbury. Das geht nicht… wieder einmal geht es doch!

Geht nicht, gibts nicht. Foto: J. Tamme

Eine große Herausforderung

Auch bei HILFE DAHEIM sind wir schon früh in vielen Bereichen der Versorgung von Senioren in ihrer häuslichen Umgebung neue Wege gegangen. Sowohl in organisatorischen Abläufen als auch im Umgang mit Kunden und Mitarbeitern und Partnern. Vieles von dem, was heute Standard geworden ist. Wir wissen seit dem Ende der geburtenstarken Jahrgänge, dass wir eines Tages eine große Herausforderung haben. Der Altersbaum unserer Bevölkerung wird dramatisch anders aussehen als in den Jahren der geburtenstarken Jahrgänge. Heute leben wir in dieser Zeit. Es ist ein Segen, dass wir alle sicher älter werden können. Aber es fehlt wie zu erwarten an jüngeren Menschen, um die älteren pflegebedürftigen Menschen zu versorgen.

Wir können froh sein über die Zuwanderung in unserem Land. Bei HILFE DAHEIM beschäftigen wir aktuell Mitarbeiter aus zehn Nationen. Das geht nicht, ist eine Aussage, mit dem Menschen um sich werfen, für die es einfacher ist, die Welt so zu akzeptieren, wie sie ist, statt das Risiko einzugehen, sie zu verändern. „Das geht nicht“ ist keine Tatsache. Es ist lediglich eine Meinung. „Das geht nicht“ ist keine Feststellung, es ist eine Herausforderung. „Das geht nicht“ ist eigentlich Potential für Verbesserungen. „Das geht nicht“ ist vergänglich.

Wir hoffen, dass mit uns viele andere in der häuslichen Pflege beteiligte Organisationen und Menschen die Einstellung „Das geht nicht“ nicht einfach akzeptieren, sondern wir ständig über Veränderungen und Verbesserungen nachdenken, sowohl zum Wohle der Pflegekräfte als auch der versorgten Senioren.

Johannes Tamme
Geschäftsführer Hilfe Daheim


Nicole Gatz

Pflegedienstleitung bei Hilfe Daheim



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