Rückblick: ich will mein Leben zurück!

Neun Monate mit der Pandemie neigen sich dem Ende. Zeit für einen Rück- und Ausblick. Zu Anfang waren die größten Herausforderungen, die Folgen des Virus abzuschätzen, Übertragungswege zu ermitteln und daraus ableitend, Schutzmaterial zu bekommen und passende Hygienepläne zu erstellen. In dieser Phase war mein „bester Freund“ Christian Drosten, täglicher Begleiter mit seinem Podcast zum Coronavirus. Seine fundierten Informationen haben uns im Schutz vor der Infektion mit dem Coronavirus schon frühzeitig weitergeholfen. Informationen, die uns in der täglichen Arbeit geholfen haben.

Im März und April war unsere größte Herausforderung, Schutzmaterial für die tägliche Arbeit zu beschaffen. Der Markt war leergefegt, dringend benötigtes Material nicht zu bekommen. Dann kam das Material: Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Schutzkittel. Dass ich einmal so glücklich über ein Paket OP-Masken sein würde, hätte ich mir im Januar diesen Jahres nicht vorstellen können. Es war ein derart gutes Gefühl, als unsere Larger sich füllten, und ich nicht mehr so große Sorge um die Gesundheit der Mitarbeiter von Hilfe Daheim haben musste. Besser als Weihnachten und Geburtstag zusammen.

Rückblick: Das "beste Team der Welt" mit guter Laune und tatkräftig trotz Pandemie-Wahnsinn. Collage: A. Gatz
Rückblick: Das „beste Team der Welt“ mit guter Laune und tatkräftig trotz Pandemie-Wahnsinn. Collage: A. Gatz

Sowas wie Normalität

Dann kam ein relativ unbeschwerter Sommer, viele konnten sogar so etwas wie Urlaub machen, einige im Ausland, aber die meisten haben sich für Urlaub in Deutschland, Balkonien oder aber an Dänemarks Küsten entschieden. Die Infektionszahlen gingen im April zurück und in den Sommermonaten hatte man das Gefühl der scheinbaren „Normalität“. Ich glaube, wir alle haben uns gewünscht, dass die viel besprochene 2. Welle ein Märchen bleiben würde. Eines von diesen Märchen, bei denen man sich gruselt, von denen man als Kind träumt und froh ist, wenn man feststellt, dass es eben nur ein Märchen war.

Und nun ist sie da, die 2. Welle. Heftiger als ich sie mir vorgestellt hatte. Schulen und Kitas bleiben weiterhin geöffnet, auch die Wirtschaft soll möglichst uneingeschränkt weiter agieren können. Kunst- und Kultureinrichtungen, Fitnessstudios und vieles mehr sind geschlossen, persönliche Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden. Mein Verstand sagt: “Das muss so sein. Gut, dass ich in einem Land wohne, das sich eine solche Fürsorge für seine Bürger leisten kann“ und mein Herz schreit: “Ich will mein Leben zurück!“ Ein Leben mit Freunden, Kollegen, persönlichen Treffen, ohne Masken, mit Umarmung, Festen und Feiern. Mir ist klar, das geht jetzt nicht, aber manchmal hilft es, seine Wünsche einfach einmal auszusprechen.

Neue Aufteilungen und Hygienemaßnahmen im Büro - arbeiten zwischen Plexiglas. Foto: A. Gatz
Neue Aufteilungen und Hygienemaßnahmen im Büro – arbeiten zwischen Plexiglas. Foto: A. Gatz

Verzicht und Ausdauer

Bei Hilfe Daheim mussten wir unser Büro nun auch aufteilen, es gibt eine Morgenmannschaft und eine, die am Abend arbeitet. Diese Teilung ist notwendig, um sicher zu stellen, dass, wenn ein Mitarbeiter im Büro erkrankt, Hilfe Daheim nicht gleich handlungsunfähig ist. Das bedeutet aber eben auch, dass Kollegen, die sich jahrzehntelang täglich gesehen haben, nun aufeinander verzichten müssen. Ich vermisse meine Kollegen aus der Frühmannschaft schon jetzt.

Die Mitarbeiter tragen nur noch FFP2-Masken. Diese sind sehr sichere Masken, die eine Übertragung des Virus kaum noch möglich machen. Das ist gut zum Schutz der Kunden und der Mitarbeiter. Wir haben im Büro spezielle Filteranlagen, diese filtern 98% der Luft. Wir haben aus dem Fortbildungsraum einen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter gemacht. Hier steht ebenfalls eine Filteranlage, die Abstände sind mehr als gewahrt und es ist trotzdem möglich, in diesen herausfordernden Pflegealltag einmal durchzuschnaufen und in Ruhe eine Pause zu machen.

Ich hoffe und wünsche mir, dass wir die Pandemie bald hinter uns haben, ein Impfstoff zur Verfügung steht und wir rückblickend sagen können: „Wir haben es gemeinsam geschafft!“

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