Ostern 2021 – Bleiben Sie gesund!

Er ist auferstanden- das ist der Gruß, mit dem sich Christen in aller Welt zu Ostern begrüßen. Das gilt auch für mich persönlich als gläubigen Christen. Aber obwohl ich ein Theologiestudium in den USA absolviert habe, möchte ich an dieser Stelle nicht zu Ihnen predigen.

In unserem Land der gemischten Kulturen und Religionen ist aber ein Gruß in den letzten Monaten zum Allgemeingut geworden: Bleiben Sie gesund. Selbst auf den geschäftlichen Briefen und Schriftsätzen, die uns täglich erreichen, verwenden die Verfasser mehr und mehr diese Formel als Gruß zum Abschluss: Bleiben sie gesund! Diese weltweite Pandemie, in der wir seit über einem Jahr leben, beeinflusst alle unsere Lebensbereiche für alle Menschen in diesem Land. Es gibt eigentlich nichts mehr, was nicht in unserem alltäglichen Leben davon beeinflusst wird.

Ich werde in Kürze 72 Jahre alt. Ich war ein Flüchtlingskind in den spärlichen Nachkriegsjahren und habe erst als Jugendlicher das „Es ist genug da“ kennengelernt. Diese Erfahrungen und die natürlichen Einschränkungen meines Alters machen es sicherlich für mich leichter, als es für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist. Ich habe irgendwo gelesen, dass es sich so anfühlt, als lege sich ein „Mehltau“ über unser ganzes Land. Dieses Bild trifft es für mich ziemlich genau. Das Leben ist nicht zum Stillstand gekommen, aber es fühlt sich in vielen Bereichen „grau“ an.

Arbeiten hinter Mehrfachverglasung: Johannes Tamme in seinem Büro. Foto: S. Tamme

Arbeiten hinter Mehrfachverglasung: Johannes Tamme in seinem Büro. Foto: S. Tamme

Was fehlt am meißten?

Was verursacht also dieses Empfinden, was fehlt mir eigentlich am meisten? Das sind für mich ganz klar die persönlichen Kontakte! Da wir eine internationale Familie sind, wirken sich die Reisebeschränkungen auf uns besonders stark aus. Aus Gesprächen mit Familie, Freunden, Bekannten und Mitarbeitern ergibt sich genau dieselbe Stimmung. Und es gilt auch für HILFE DAHEIM. Uns fehlt ein wesentlicher Teil unserer gelebten Firmenkultur. Wir haben Räume für Begegnungen geschaffen, unsere Bürowände und Türen sind, soweit das möglich ist, aus Glas. Alle Leitungskräfte sind jederzeit ansprechbar.

Das alles soll dazu dienen, dass wir uns innerhalb unseres Teams HILFE DAHEIM einfach persönlich begegnen können und nicht nur per Handy miteinander kommunizieren. Nun müssen wir uns seit einem Jahr hinter Acrylglasscheiben verstecken. Hinter den Masken schauen nur noch zwei kleine Äuglein hervor. Bei der Kommunikation geht ein wesentlicher Teil verloren. Unser Büroteam mussten wir teilen, damit wir uns nicht mehr begegnen. Um 12:00 Uhr muss die Morgengruppe das Büro verlassen. Um 12:01 beginnt die Nachmittagsgruppe. Wir dürfen uns nur noch draußen mit Abstand begrüßen und zuwinken, wirkliche persönliche Begegnungen und Austausch gibt es nicht.

Die Pflegekräfte vor Ort bei unseren Kunden sind noch mehr gefordert als in normalen Zeiten. Und auch das ständige Tragen der Masken bei der Arbeit ist eine zusätzliche Belastung. Teamsitzungen können nicht mehr stattfinden, weil wir nur eine sehr begrenzte Anzahl von Mitarbeitern gleichzeitig in einem großen Raum haben dürfen. Wir haben Mitarbeiter, die inzwischen Monate bei uns sind und überhaupt noch keine Erfahrungen gemacht haben, was HILFE DAHEIM tatsächlich als Arbeitgeber ausmacht. Weil wir eben unser eigentlich übliches Miteinander gar nicht leben können.

Forschen, Testen, Impfen - Antikörperstudie bei Hilfe Daheim. Foto: A. Gatz

Forschen, Testen, Impfen – Antikörperstudie bei Hilfe Daheim. Foto: A. Gatz

Umdenken

Während ich diesen Blog schreibe, höre ich im Radio einen Kommentar eines Virologen, der uns Mut macht, jetzt anders in die Zukunft zu schauen, auf die positiven Veränderungen inmitten der steigenden Fallzahlen. Er verweist darauf, dass zwar einerseits die Fallzahlen steigen, andererseits aber die Todesraten deutlich zurückgehen. Dass zwar die Intensivstationen sich füllen, aber nicht mehr mit der Zahl von tödlichen Verläufen. Ferner ist er als Facharzt der Auffassung, dass wir in sechs bis acht Wochen durch die veränderte Wetterlage und die steigende Zahl der geimpften Menschen in unserem Land  die schlimmste Phase der Pandemie hinter uns haben. Seiner Meinung nach sind das Testen und die Disziplin in der Bevölkerung jetzt in dieser Phase die entscheidenden Maßnahmen. Er ermuntert die Hörer, jetzt umzudenken und eine positive Erwartungshaltung einzunehmen.

Da ich eine positive Grundhaltung zum Leben habe, hat mich dieser Beitrag direkt angesprochen. Es ist ja wirklich so. Wenn man innehält und darüber nachdenkt, was wir andererseits in unserem Land doch noch als Lebensqualität haben, dann kommt unweigerlich weiterhin Dankbarkeit auf. Deshalb ist für mich der richtige Gruß in diesem beginnenden Frühjahr trotz allem: Bleiben Sie gesund und dankbar!
Und damit sind wir dann auch bei einer Symbolik, die Ostern in sich trägt: Der veränderte Neubeginn!

Begegnungen mit sehr viel Abstand im Büro bei Hilfe Daheim. Foto: S. Tamme

Begegnungen mit sehr viel Abstand im Büro bei Hilfe Daheim. Foto: S. Tamme

Persönliche Begegnungen fehlen

So schön wie Handy, FaceTime oder Social Media zum Kontakt halten sind, es ersetzt nicht annähernd die persönliche Begegnung. Ich glaube, das ist uns in den letzten Wochen und Monaten sehr deutlich bewusst geworden. Wenn ich jetzt zurückdenke, wird mir auch deutlich, dass ein Teil unserer Unzufriedenheit und „Corona-Müdigkeit“ auch deshalb entsteht, weil wir uns, besonders in den letzten 40 Jahren, daran gewöhnt haben, eine riesige Zahl von Möglichkeiten in der Freizeitgestaltung und beim Reisen zu haben. Diese Möglichkeiten hatten die Generationen vor uns gar nicht, sie würden nicht so viel in dieser Situation vermissen. Ich bin auf dem Lande groß geworden. Als es noch üblich war, dass vor dem Haus mindestens eine Bank stand, um sich mit Nachbarn oder vorbeigehenden zum Klönsnack zusammenzusetzen. Die persönlichen Begegnungen vor der Haustür, über den Gartenzaun, im Obst- und Gemüseladen von Oma Pieper… Das würde jetzt fehlen.

Wenn ich für mich selbst und aus den Gesprächen mit vielen anderen zu dem Ergebnis gekommen bin, das Fehlen der persönlichen Begegnungen ist auch jetzt der größte Mangel, dann sollte und muss doch hier eigentlich Veränderung stattfinden. Vielleicht werden Prioritäten neu gesetzt, Selbstverständliches wird anders und intensiver wahrgenommen und erlebt. Deshalb glaube ich, dass eine generelle Lösung für das Home Office in eine Sackgasse führt. Ich hoffe im Gegenteil darauf, dass wir unsere Arbeitsplätze sowohl als Arbeitgeber als auch als Arbeitnehmer wieder mehr auch zu Orten der Begegnung machen.

Es wird wieder besser und normaler werden. Dann sollten wir diese Erfahrungen nicht vergessen und Menschen insgesamt und persönliche Begegnungen als so wertvoll betrachten, wie sie es sind.

Meine Grußformel Ostern 2021 –  Bleiben Sie gesund und dankbar!

Ich freue mich auf Dich, auf Sie – ohne Maske und Abstand!

Johannes Tamme
Geschäftsführer Hilfe Daheim

 

 

 

 


Nicole Gatz

Pflegedienstleitung bei Hilfe Daheim



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