# Lichtfenster – Ein Zeichen der Solidarität und des Mitgefühls

Bundespräsident Walter Steinmeier will nach Ostern eine zentrale Gedenkfeier für die Toten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Deutschland ausrichten. Er rief dazu auf, jeden Abend gut sichtbar ein Licht in ein Fenster zu stellen, um so der vielen Todesopfer und derer, die gerade um ihr Leben kämpfen, zu gedenken. Hilft das? Tröstet das die Angehörigen wirklich?

Im Februar ist mein Schwiegervater an einer Coronainfektion verstorben. Die erste Infektionswelle hatte er überlebt, hatte seine erste Impfung bekommen und infizierte sich dann mit dem Coronavirus. Und plötzlich wird die Zahl aus der Statistik, die die Coronatodesfälle ausweist, persönlich.

Der letzte Weg - Abschied für immer. Foto: D. Guggolz

Der letzte Weg – Abschied für immer. Foto: D. Guggolz

Abschied

Mein Schwiegervater zog vor Jahren in eine Seniorenresidenz, weil sein Gedächtnis ihn mehr und mehr verlies. Er war sein ganzes Leben lang ein sehr geselliger Mensch, fand auch in seinem neuen Zuhause schnell wieder Anschluss. Nicht nur die Pflegekräfte mochten meinen Schwiegervater, sein Charme und sein gutes Aussehen bescherten ihm immer eine weibliche Fangemeinde. Er verbrachte viel Zeit mit einer Frau, die, wie er, mehr und mehr auf ihr Gedächtnis verzichten musste. Die beiden hatten eine sehr besondere Beziehung zueinander.

Ich denke in den letzten Tagen viel an ihn und bin ihm sehr dankbar für meinen Mann, ohne meinen Schwiegervater gäbe es ihn nicht. Mein Mann konnte in den letzten Tagen seines Lebens bei ihm sein, ihn auf seinem letzten Weg begleiten und sich verabschieden. Mein Schwiegervater verstarb am 6. Februar in den frühen Morgenstunden. Hilft uns nun die Kerze auf der Fensterbank?

Licht in Gedenken an die Opfer von Covid-19.

Licht in Gedenken an die Opfer von Covid-19.

In Gedanken bei den Opfern

Mir schon. Ich empfinde es als tröstlich, dass trotz härter werdender Diskussionen über Öffnung und Rechte, über Friseure und Urlaubssehnsucht, an jene gedacht wird, die ihr Leben an das Virus verloren haben. Mitgefühl setzt Empathie voraus, Empathie ist die Voraussetzung, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und das hilft Gräben, die sich durch die Pandemie gebildet haben, zu überwinden. Mitgefühl ist der Kit, den die Gesellschaft dringend benötigt.

Bis heute hat die Pandemie in Deutschland 70.881, in Europa 531.869 und weltweit 2.539.427 Menschenleben gekostet. Meine Gedanken sind bei all den Opfern weltweit und bei meinem Schwiegervater, während ich die Kerze an unserem Fenster anzünde. Mit dem Bewusstsein, dass diese Pandemie das Gesicht dieser Welt verändern wird, bleibt die Hoffnung, dass wir möglichst positive Impulse in das Leben nach der Pandemie retten. Der Verlust meines Schwiegervaters ist wie ein Brennglas, das mir noch einmal deutlich macht, dass ich nur dieses eine Leben habe und dass es gilt, es zu nutzen, um am Ende nicht zu bereuen.


Nicole Gatz

Pflegedienstleitung bei Hilfe Daheim



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