Können Sie mal eben…?

In der ambulanten Pflege kümmern wir uns um die Bedürfnisse und das Wohlergehen hilfsbedürftiger Menschen. Menschen, die nicht mehr dazu in der Lage sind, oder auch im medizinischen Sinne nicht qualifiziert dazu, sich selbst um ihre Belange zu kümmern. Wir kochen, putzen, waschen, pflegen oder beraten. Auch für die seelische Betreuung sind wir oft zuständig sowie für medizinische Beratung und Versorgung.

Bevor dies geschieht, wird die Lage beurteilt, die Person wird beraten und der Umfang der Versorgung und Unterstützung wird abgesprochen. Hierbei ist das Angebot nicht statisch. Je nach Verbesserung oder Verschlechterung des Zustands kann mehr oder weniger Hilfe abgesprochen werden. In so einem Fall kommuniziert der Kunde dies selbst mit dem Leitungsteam oder aber die Mitarbeiter kommen auf uns zu und sprechen uns an. In diesen Fällen sind die jeweiligen Personen oft selber nicht mehr in der Lage, ihren Hilfebedarf einzuschätzen. Um eine adäquate und bestmögliche Unterstützung zu gewährleisten, wird dann das Angebot angepasst und nach Rücksprache umgesetzt.

Die Mitarbeiter von Hilfe Daheim unterstützen die Kunden in ihrer Häuslichkeit.
Die Mitarbeiter von Hilfe Daheim unterstützen die Kunden in ihrer Häuslichkeit.

Der Satz, den jeder kennt

Ein Satz, den sicherlich jeder in der Pflege arbeitende Mensch schon einmal gehört hat, ist: „Können Sie mal eben…?“. Dieser Satz beschreibt so treffend den Blickwinkel, in dem viele Kunden die ambulante Pflege sehen, dass es sich lohnt, noch weiter darauf einzugehen. Viele Menschen vergessen, oder machen sich vielleicht gar keine Gedanken darüber, dass ambulante Pflegedienste Dienstleister sind. Wir werden oft als gemeinnützige Organisationen angesehen, die ihre Arbeit aus reiner Nächstenliebe verrichten. Natürlich geht es uns um das Wohlergehen unserer Kunden und darum, ihnen zu ermöglichen, solange in ihrer Häuslichkeit zu verbleiben, wie sie es sich wünschen. Doch auf der anderen Seite müssen und wollen wir dafür sorgen, dass unser Pflegedienst wirtschaftlich arbeitet und unseren Mitarbeitern eine angemessene Entlohnung zuteilwerden lassen. So wie jedes andere Unternehmen, welches Dienstleistungen anbietet, auch.

Henriette bei der Vorbereitung eines Nachmittagssnacks für eine Kundin. Foto: Anna Gatz
Henriette bei der Vorbereitung eines Nachmittagssnacks für eine Kundin. Foto: Anna Gatz

Kleine Aufgaben mit großen Auswirkungen

Ein häufiges Beispiel ist der Hausmüll der Kunden. Für die Entsorgung des Hausmülls gibt es eine zu vereinbarende Leistung. Diese wird oft nicht vereinbart, da die meisten Kunden diese Aufgabe noch gut selber erledigen können. Wenn man dann als Pflegekraft seine Arbeit beendet hat, kommt von den Kunden oftmals der beschriebene Satz: „Können sie mal eben den Müll mit runter nehmen?!“. An sich keine große Sache, doch wenn man sich den Vorgang bewusstmacht und alles was dazu gehört, dann wird aus der kleinen Sache eine Riesenaufgabe.

In den meisten Haushalten bedeutet Müllentsorgung, sich einen Schlüssel zu holen, in den Keller zu gehen, die Mülleimer aufzuschließen, den Müll zu entsorgen, die Tür wieder abzuschließen, wieder nach oben zu gehen und den Schlüssel wieder abzugeben. Das macht etwa fünf Minuten Zeit aus. Das wirk vielleicht nicht viel und auf den ein oder anderen auch kleinkariert, wenn man das aber hochrechnet, ergibt sich folgendes Bild: fünf Minuten pro Kunde / pro Woche, mal 200 Kunden, die wir betreuen, ergibt ca. 900 Stunden im Jahr. Das entspricht etwa der Arbeit einer Vollzeitkraft für ein halbes Jahr. Und das nur bei einer einzigen Leistung. Hinzu kommen noch Dinge wie abwaschen, beim Anziehen helfen oder aber Medikamente bestellen. Die Liste ist endlos.

Frau Knötzel und Frau Wendt kümmern sich im Büro um die Anliegen der Kunden. Foto: Anna Gatz
Frau Knötzel und Frau Wendt kümmern sich im Büro um die Anliegen der Kunden. Foto: Anna Gatz

Die Frage, die sich mir stellt, ist, würden Sie zum Bäcker gehen, drei Brötchen bestellen und dann verlangen nur eins zu bezahlen? Würden Sie Ihren Klempner fragen: „Können Sie mal eben den Müll mit runter nehmen?“

 

4 Kommentare

  1. Vielen Dank, das sie das Müll-Beispiel nennen. Ich arbeite auch in einem ambulanten Pflegedienst in Lünen. Wir machen es so, dass wir den Müll, wenn er fertig vor der Tür steht und nur in einen zugänglichen Eimer geschmissen werden muss, gerne mitnehmen. Wenn es jedoch umfänglicher ist, machen wir es nur, wenn es vereinbart ist oder eine besondere Notsituation (Angehörige krank etc.) vorliegt.

  2. Danke für den Erfahrungsbericht über den Alltag in der ambulanten Pflege. Die Großmutter eines Freundes ist inzwischen auch auf einen Pflegedienst angewiesen, weshalb ich dieses Thema sehr interessant finde. Ich wusste z.B. gar nicht, dass Sie oft für die seelische Betreuung zuständig sind.

  3. Vielen Dank für den Artikel über die Arbeiter der ambulanten Pflege! Es ist wahr, dass die Wertschätzung einer ambulanten Hilfskraft schnell vergessen werden kann und die Dankbarkeit zu kurz kommt. Ich habe seit 6 Monaten für meine Mutter die Dienstleistung eines sehr guten Pflegedienstes in Anspruch genommen, mit dem ich mich menschlich ebenfalls sehr gut verstehe. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man trotz des alltäglichen Ablaufes die Hilfe nicht für selbstverständlich ansehen sollte.

  4. Interessant, wie der ambulante Pflegedienst so arbeitet. Ich kann mir vorstellen, dass auch bereits kleine Aufgaben große Auswirkungen haben können. Ich wünsche den Fachkräften gutes Gelingen.

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