Herausforderung: gelassen älter werden

In den letzten Jahren höre ich oft von Freunden, dass sie nicht älter werden wollen. Das kann ich schwerlich nachvollziehen, da das Älterwerden die einzige Möglichkeit ist, länger zu leben. Gerade die letzten zwei Jahre haben noch einmal deutlich gemacht, wie endlich das Leben ist. Nachdem dieser Punkt in Gesprächen geklärt ist, habe ich begriffen, dass es vielmehr um die Unsicherheit geht, die mit einem neuen Lebensabschnitt verbunden ist.

Unsicherheit neuer Lebensabschnitt: wie geht es weiter? Foto: N. Gatz

Herausforderung letzter Lebensabschnitt

Die Jüngeren möchten nicht 20 oder 30 werden, die Älteren nicht 50 oder 60. Meine Eltern, die in diesem Jahr ihren 83. Geburtstag gefeiert haben, haben diese Angst ebenfalls. Das lässt vermuten, dass das Älterwerden, aus welcher Perspektive auch immer es betrachtet wird, eine Herausforderung darstellt. Meine Eltern machen sich viele Gedanken über ihren letzten Lebensabschnitt. Ich mag es kaum schreiben, alleine die Umschreibung „letzter Lebensabschnitt“ bezogen auf meine Eltern macht mir Angst. Meine Eltern waren immer da und fast kleinkindgleich will ich den Gedanken nicht zulassen, dass auch für sie das Leben endlich ist.

Es bringt mich dazu, mich mit meinem Leben auseinanderzusetzen. Die Vergangenheit zu reflektieren, mich mit der Gegenwart zu beschäftigen und meine Zukunft mit Bedacht zu planen. Ich nehme mir vor, eine Vorsorgevollmacht zu erstellen, meine Angelegenheiten so zu regeln, dass im Ernstfall nicht meine Kinder das Unmögliche für mich entscheiden müssen.

Sich mit dem Leben auseinandersetzten. Foto: M. Gatz

Älter werden ohne alt zu sein

Bei der Betrachtung meines Lebens kann ich sagen, dass ich dankbar bin. Ich habe eine wundervolle Familie, die beste von allen. Tolle Freunde, ich arbeite gerne und habe die Möglichkeit, meiner Leidenschaft, dem Reisen, nachzugehen. Ich treffe in meinem Beruf viele spannende Menschen und habe die besten Mitarbeiter der Welt. Mich haben in meinem Leben so viele Menschen unterstützt und mir meinen Weg geebnet, ich hoffe ich kann noch viel an andere Menschen zurückgeben.

Doch sollte heute meine Lebenszeit ablaufen, so bereue ich nichts, ich habe genau das Leben, welches ich mir gewünscht habe. Das bedeutet nicht, dass ich mich nicht um meine Gesundheit sorge und gelassen mit den Einschränkungen umgehen werde, die oftmals das Alter mit sich bringt. Alt werden ist nun einmal nichts für Feiglinge. Ich wünsche mir, älter zu werden, ohne geistig alt zu sein. Ich werde mich bis an mein Lebensende bemühen, offen für Neues zu sein. An meinen Vorurteilen zu arbeiten und jeden Tag als eine Herausforderung des Lebens zu betrachten.

Nachtrag:

Da das fleißige Redaktions-Team von Hilfe Daheim zur Zeit wieder einmal mit pandemisch bedingter Mehrarbeit belastet ist, haben wir uns gemeinsam dazu entschlossen den vierzehntägigen Rhythmus unserer Beitragsreihe, vorerst auf einen vierwöchigen Rhythmus zu verschieben. Aber keine Sorge, ganz los werdet ihr uns auf gar keinen Fall: „Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“

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