War das wirklich alles oder kommt da noch was?

Ich habe vor einigen Monaten mit einem Freund telefoniert. Nachdem ich ihn fragte, wie es ihm geht, antwortete er mir folgendes: “Eigentlich geht es mir gut, beruflich und privat ist alles in Ordnung und trotzdem empfinde ich Frust.“ Er hat in seinem Leben schon vieles gemacht und vieles erlebt und fing an, sich die Frage zu stellen, ob das nun wirklich alles gewesen sei“. Nach dem Telefonat ließ mich dieser Gedanke gar nicht mehr los, er hat in mir einen Nerv getroffen, eine Frage gestellt, die gut verschlossen irgendwo in mir schlummerte.

Kommt da noch was? Wie sieht die Zukunft aus? Foto: N. Gatz

Kommt da noch was? Wie sieht die Zukunft aus? Foto: N. Gatz

Büchse der Pandora

Aber wie das so ist mit der Büchse der Pandora, ist sie geöffnet, kann sie sich nicht einfach wieder schließen. Ich habe in meinem Leben so vieles machen dürfen, konnte mich ausprobieren in vielen verschiedenen Bereichen. In der Lebensphase, in der die Kinder noch klein waren und ich viele meiner Bedürfnisse zurückgestellt habe, waren einfach andere Dinge wichtig. Aber nun sind sie groß, jedenfalls fast, und nach und nach erlange ich eine neue alte Freiheit zurück. Ich kann über einen großen Teil meiner Zeit wieder selbst verfügen und muss mich nicht mehr um alle Anliegen meiner Kinder kümmern, was mir nicht immer gelingt, aber immer öfter.

Mit mir allein

Und manchmal kommen mir dann die ungelebten Abenteuer und unerledigten Wünsche in den Sinn. Ich bin niemals allein gewesen – alleine im Sinne von ‚ich war über einen längeren Zeitraum allein‘. Ich habe in Wohngemeinschaften gelebt, bin früh Mutter geworden und habe mein gesamtes Leben, bis heute, mit meiner Familie verbracht. Und wenn ich wirklich mal ein paar Tage allein zu Hause bin, fehlt mir meine Familie sehr schnell und unglaublich doll. Aber was würde wohl passieren, wenn ich alleine in den Urlaub fahren würde? Könnte ich das aushalten über einen längeren Zeitraum, ganz mit mir allein?

Neue Wege gehen: ausprobieren, was man noch nie gemacht hat. Foto: N. Gatz

Neue Wege gehen: ausprobieren, was man noch nie gemacht hat. Foto: N. Gatz

Sein statt haben

Oder einfach mal etwas ganz anderes machen, irgendetwas handwerkliches oder künstlerisches – nicht, dass ich Talent hätte, aber ich habe extrem viel Lust, mich auszuprobieren. Jedenfalls wird mir immer klarer, dass nicht das Haben, sondern das Sein in den Vordergrund rückt und damit mein Leben und die Sicht der Dinge verändert. Ich habe keine Ahnung, wohin mich das führen wird, aber ich habe das Gefühl, es könnte mein eh schon großartiges Leben sicher bereichern.


Nicole Gatz

Pflegedienstleitung bei Hilfe Daheim



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