Inhalt oder Form – Streben nach Perfektion

Seit ich vor einem dreiviertel Jahr angefangen habe, regelmäßig diesen Blog zu schreiben, erhalte ich viele Anregungen und Vorschläge von Freunden, Familie und Kollegen. Natürlich sind auch Kritik und Verbesserungsvorschläge immer willkommen und ich nehme mir diese zu Herzen und denke darüber nach, diese bestmöglich umzusetzen, solange es mir sinnvoll erscheint.

Vor einiger Zeit sprach mich ein Kollege an, dass immer noch einige Zeichensetzungsfehler in den Beiträgen zu finden sind. Zunächst machte ich mir Gedanken und dachte darüber nach, woran das liegen könnte. Gefühlt ändern sich Rechtschreibung und die Regeln für Kommasetzung mindestens stündlich. So kommt es mir auf jeden Fall vor… Aber was soll man auch anderes erwarten von jemandem, der seine Kommas dort setzt, wo er eine Pause beim Sprechen machen würde (für alle die mich nicht persönlich kennen, ich spreche sehr schnell und mache deshalb viele Pausen und setzte dementsprechend viele Kommata). Doch dann kam mir der Gedanke, ob die Kommata wirklich so sehr ins Gewicht fallen? Zählt nicht viel mehr der Inhalt des Geschriebenen. Natürlich sollte der Leser noch den Sinn hinter den Worten erkennen, aber wie sehr sollte man auf Knigge und Co. achten?

Schöner, besser, größer

Gutes Aussehen und gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten sind so extrem wichtig geworden, dass es kaum noch möglich ist Schritt zu halten. In der Generation meiner jüngsten Tochter wird es als notwendig empfunden, den perfekten Körper zu haben. Beinahe jeder ist Mitglied in einem Fitnessstudio, die Mädchen haben falsche Fingernägel und Wimpernverlängerungen. Aber auch vor älteren Generationen macht der Wahn nach Perfektion keinen Halt. Schönheitsoperationen und Botox sind keine Ausnahmen mehr, sondern an der Tagesordnung. Überall wird gewachst, gebleacht, gefärbt, und gestrafft. Jeder will die neueste Kleidung, das neueste Smartphone, das neueste Auto besitzen.

Den Druck verringern

Der Leistungsdruck ist so enorm, dass Doping beim Sport und bei den geistigen Fähigkeiten keine Seltenheit mehr ist. Kinder müssen in kürzester Zeit mehr lernen, Erwachsene müssen in ihren Jobs immer mehr leisten, um nicht zurück zu bleiben. Perfektion steht an oberster Stelle.

Natürlich weiß ich, dass auch ich davon nicht unberührt bin. Doch wie lange kann eine Gesellschaft dem Druck standhalten, bis dieser zu groß wird? Wie kann man diesem Zwang entkommen? In einem meiner vorherigen Beiträge habe ich über das Thema „Entschleunigung“ gesprochen. Vielleicht ist diese Möglichkeit die Lösung, um den Druck zu verringern und sich wieder mehr auf die inneren Werte und Fähigkeiten zu besinnen.

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen das dies der erste Beitrag ohne Bilder ist. Für dieses Thema erschien mir einfach kein Motiv als passend. Vielleicht haben Sie eine Idee für die Visualisierung?
In einer Gesellschaft, in der es fast ausschließlich um Äußerlichkeiten geht, möchte ich Kommata Kommata sein lassen und mich auf den Inhalt konzentrieren.


Nicole Gatz

Pflegedienstleitung bei Hilfe Daheim



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